Ein Post, drei Fragen: Wie Politik auf Social Media spricht

Politik

Entwurf

Entwurf · Der Faktencheck ist noch offen. Markierte Angaben und Belege müssen vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Ein Facebook-Post hat in Luxemburg eine Debatte ausgelöst. Am Beispiel dieses Posts lässt sich zeigen, warum der Ton politischer Kommunikation genauso zählt wie der Inhalt.

Fred Keup ist Abgeordneter der ADR. Laut Journal.lu war er bereits im Umfeld des Referendums 2015 durch seine Haltung zum Wahlrecht für Ausländer bekannt [QUELLE PRÜFEN: aktueller Mandatsstatus]. Im Mittelpunkt dieses Textes steht aber kein Parteiprogramm, sondern ein einzelner Post.


Was passiert ist


Keup schrieb auf Facebook unter ein Video: „Kuckt iech se un! Déi Freaken.“ Nach Berichten von RTL bezog sich der Post laut Keup nicht auf Personen, sondern auf eine Pressekonferenz deutscher Aktivistinnen und Aktivisten, die Angriffe auf Journalistinnen nach den Ereignissen in Erfurt nicht klar verurteilt hätten [QUELLE PRÜFEN: Wortlaut, Datum und Kontext im RTL-Artikel].


Diese Erklärung ist wichtig, und sie gehört in den Artikel. Sie beantwortet aber nicht die Frage, warum ein Politiker eine solche Formulierung wählt.


Erste Frage: Was sagt der Stil?


„Freaks“ ist ein abwertendes Wort. Es macht aus Menschen eine Kategorie, über die man sich lustig machen darf. Wer ein Video mit einer solchen Zeile versieht, erreicht vor allem Zustimmung im eigenen Lager und Spott von der anderen Seite. Das Argument verliert dadurch an Schärfe.


Die Erklärung kam erst später. Die erste Wirkung eines Posts bleibt aber bestehen, und sie war hier klar auf Spott ausgerichtet.


Zweite Frage: Was macht eine Plattform mit einem Politiker?


Politiker dürfen auf ihrer eigenen Seite Kommentare löschen. Das ist eine Regel, kein Skandal. Die eigentliche Frage ist eine andere: Welches Klima entsteht, wenn der Ton der Seite Spott belohnt und Nachfragen aussortiert?


Ich habe unter diesem Post einen Kommentar geschrieben, der Keups Aussage hinterfragt hat. Er wurde gelöscht, und ich wurde blockiert [Screenshots und Datum ergänzen]. Ich schreibe das nicht, um mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ich schreibe es, weil genau so entsteht, was man „Dialog“ nennt: Die eigene Position bleibt sichtbar, der Widerspruch verschwindet.


Dritte Frage: Wer trägt Verantwortung?


Wer öffentlich Macht ausübt, ist für den Ton seiner Kommunikation verantwortlich. Das gilt besonders dann, wenn gleichzeitig über Gewalt gegen Journalistinnen gesprochen wird. Wer die Pressefreiheit verteidigt, sollte nicht zugleich einen Stil pflegen, der Journalistinnen und Gegnerinnen lächerlich macht.


Politische Ansprache auf Facebook ist keine Privatsache. Sie prägt, wie Menschen miteinander reden, und sie hat Folgen, wenn sie Erklärungen erst nachreicht.


Was bleibt


Die Kritik an Fred Keup richtet sich nicht gegen seine Herkunft, seine Partei als Ganzes oder seine Wähler. Sie richtet sich gegen eine konkrete Entscheidung: einen Post zu schreiben, der Spott über Menschen als Stilmittel nutzt. Man kann diese Kritik teilen oder ablehnen. Sie verdient aber eine Antwort mit Argumenten.


Die Frage an die ADR bleibt offen: Wie viel Verantwortung übernimmt die Partei für den Ton ihrer Abgeordneten?