Warum Empörung schneller reist

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Entwurf · Der Faktencheck ist noch offen. Markierte Angaben und Belege müssen vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Posts mit moralisch aufgeladenen Wörtern verbreiten sich schneller. Eine Studie zeigt auch, wo die Grenze dieses Effekts liegt.

Wer einen Kommentarbereich liest, erkennt schnell ein Muster: Die schärfste Formulierung bekommt die meisten Reaktionen. Dass das kein Eindruck ist, zeigt eine Untersuchung von William Brady und Kollegen.


Die Forschenden analysierten rund 563.000 Tweets zu drei umstrittenen Themen: Waffenkontrolle, gleichgeschlechtliche Ehe und Klimawandel [cite 73-1]. Das Ergebnis: Moralisch-emotionale Wörter erhöhten die Verbreitung eines Beitrags um etwa 20 Prozent pro zusätzlichem Wort [cite 74-1].


Der Effekt hat aber eine Grenze. Er wirkte vor allem innerhalb der eigenen politischen Gruppe und deutlich schwächer zwischen den Lagern [cite 74-1]. Empörung erreicht also vor allem Menschen, die ohnehin zustimmen. Wer andere überzeugen will, kommt mit Zuspitzung nicht weit.


Eine spätere Metaanalyse aus dem Jahr 2021 hat dieses Phänomen auch auf Facebook und Twitter untersucht [cite 77-1].


Was heißt das für das eigene Verhalten?


  • Ein Post wird nicht besser, weil er lauter ist.

  • Vor dem Teilen lohnt die Frage: Sage ich etwas Neues, oder verstärke ich nur ein Gefühl?

  • Wer eine Debatte führen will, braucht Formulierungen, die auch Andersdenkende lesen können.


Eine Einschränkung gehört dazu: Die Studie stammt aus dem Jahr 2017 und untersucht Twitter, nicht Facebook und nicht den luxemburgischen Kontext. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht einfach übertragen.